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Unsere Themen
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Kampagne gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel gestartet

Dienstag, 7. März 2006

Mit einem Pfiff eröffnete die Pressereferentin des Deutschen Frauenrates, Ulrike Helwarth, die bundesweite Kampagne „abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“.  Einer der Schirmherren der Kampagne ist Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Anlässlich des Internationalen Frauentages wurde die Kampagne offiziell vorgestellt. Die Fußball-Weltmeisterschaft dient als Anlass, um mit zahlreichen Aktionen die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema „Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung“ zu lenken.
 
„Zwangsprostitution ist ein schändlicher, krimineller Akt, der menschenverachtend ist“, sagte Zwanziger. „Bedauerlicherweise leisten Großereignisse wie auch die Fußball-WM diesem schändlichen Treiben entsprechenden Vorschub. Da die Fußball-WM nun mal das Großereignis für Deutschland auf viele Jahrzehnte hinaus ist, können wir nicht so tun, als ginge es uns nichts an.“ Die Gesellschaft müsse sich verpflichtet fühlen, die Arbeit der Sicherheitsorgane durch aufklärende Maßnahmen zu unterstützen.
 
„Das Geschäft mit Frauen boomt. Es findet direkt in unserer Mitte statt – und bis hinein in die so genannten guten Kreise. Es ist daher ein Skandal, dass das Thema in der Öffentlichkeit so wenig Beachtung findet“, sagte Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates. „Mit unserer Kampagne wollen wir eine breite Öffentlichkeit für Menschenhandel und Zwangsprostitution interessieren.“
 
„Für den Deutschen Frauenrat gilt: Jede Zwangsprostituierte ist eine zuviel“, erklärte Raiser. Mit zahlreichen Aktionen vor und während der Spiele sowie mit T-Shirts und Infoblättern wolle die Aktion „abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“ auf das Problem aufmerksam machen. Die Initiative wurde vom Deutschen Frauenrat in Kooperation mit anderen Menschenrechtsorganisationen ins Leben  gerufen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Kampagne.
 
Menschenhandel: Global organisiertes Verbrechen
 
Die Fußball-Weltmeisterschaft werde wie andere Großveranstaltungen die Nachfrage im Rotlicht-Milieu ansteigen lassen, erklärte Konrad Freiber, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Menschenhandel entwickelt sich weltweit zu einem ähnlich einträglichen Geschäft wie der Drogen- und Waffenhandel. Allein in Europa werden rund eine halbe Million Frauen im Netz organisierter Banden festgehalten und sexuell ausgebeutet.“
 
Die Leiterin des frauenpolitischen Bereichs des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und Expertin für Menschenhandel, Heike Rudat, betonte: „Zwangsprostitution entwickelt sich seit Jahren zu einem immer lukrativeren Geschäft.“ 
 
Sie unterstrich, dass etwa die Olympischen Spiele in Athen gezeigt hätten, dass bei Großereignissen die Zahl der Prostituierten steige. Die oft genannte Zahl von 40.000 Frauen, die unter Zwang als Prostituierte im Sommer nach Deutschland kämen, sei jedoch zu hoch. Erfahrungen zeigten, dass jedoch mit einem leichten Anstieg gerechnet werden müsse. Gesicherte Zahlen, wie viele Frauen und Mädchen jährlich in Deutschland zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gehandelt werden, gibt es nicht.
 
Ein lukratives Geschäft
 
Weltweit fallen jährlich circa 2,4 Millionen Frauen, Männer und Kinder dem Menschenhandel zum Opfer. Dies schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer jüngst veröffentlichen Studie. Weltweit ist Menschenhandel ein lukratives Geschäft. Mit 32 Milliarden US-Dollar Profit macht er einen bedeutenden Anteil des Organisierten Verbrechen aus.

Bild eines niederländischen Fans und eines kleinen Mädchens mit dem Trikot der französischen Nationalmannschaft