Reden
"Deutschland und die Fußballweltmeisterschaft" - Rede von Bundesinnenminister Otto Schily anlässlich der Eröffnung des SportAccord 2005 am 18. April 2005
Dienstag, 19. April 2005
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist ein großer Erfolg, dass es gemeinsam mit dem Berliner Senat gelungen ist, mit SportAccord 2005 die weltweit größte Konferenz von internationalen Sportverbänden nach Deutschland einzuladen. Ich heiße Sie alle hier in Berlin und am Sportstandort Deutschland sehr herzlich willkommen.
Sport ist für Milliarden von Menschen in der ganzen Welt eine wichtige, gesunde und sinnvolle Form, ihre freie Zeit zu verbringen. Sport hat auch vielfältige gesellschaftliche Funktionen. Er fördert besonders die Begegnung von Menschen über alle Grenzen hinweg. Sport ist international.
Dass Kinder, Jungendliche und Erwachsene den Zugang zum Sport finden, ist eine sehr wichtige Aufgabe, der sich Ihre Verbände mit großem Einsatz widmen. Hier in Deutschland sind über 29 Millionen Menschen Mitglied in einem Sportverein. Das ist über ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Wir sind ein sportbegeistertes Land und deshalb ein hervorragender Standort für internationale Meisterschaften.
Das zeigt sich an der Vielzahl von sportlichen Großveranstaltungen, die wir in den kommenden Jahren ausrichten werden. Wir freuen uns in diesem Jahr auf den Confederations Cup, die World Games und die Beachvolley WM hier in Berlin. Das kommende Jahr ist voll sportlicher Highlights: die Tischtennis-WM in Bremen, die Weltreiterspiele in Aachen, die Hockey WM in Mönchengladbach und - die Fußball-Weltmeisterschaft 2006! Die Reihe setzt sich fort mit der Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit geistigen Behinderungen direkt im Anschluss an die WM, der Handball- und der Triathlon WM im Jahr 2007, mit der Straßenrad-WM, der Europameisterschaft im Rollstuhl-Basketball bis hin zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 wieder hier in Berlin. Und das sind noch nicht alle Veranstaltungen, die auf unserer Agenda stehen. ...
Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass diese Ereignisse in Deutschland stattfinden, und im Voraus auch denen, die jetzt mit großem Einsatz in den Vorbereitungen dieser Großveranstaltungen stecken.
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Spannung zählen wir die kommenden 416 Tage bis Deutschland zum zweiten Mal Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft ist. Außer den Olympischen Spielen gibt es wohl kein Ereignis (von der Wahl eines neuen Papstes einmal abgesehen), das so viele Menschen weltweit in seinen Bann zieht. 2006 wird die Welt nach Deutschland blicken. Wir freuen uns auf dieses Fest des Fußballs, das unserem Land ganz einzigartige Chancen bietet. Die vielen Besucher, die wir aus aller Welt erwarten, sind im kommenden Jahr bei uns "zu Gast bei Freunden"!
Mit dem Turnier können wir Deutschland als einen modernen und innovativen Wirtschafts-, Wissenschafts-, Kultur- und Sportstandort vorstellen. Zu diesem Ziel hat die Bundesregierung ein kreatives und umfassendes Gastgeberkonzept entwickelt, dessen Umsetzung in vollem Gange ist.
Wir haben ein Kunst- und Kulturprogramm, das auf einer Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder beruht. Herzstück und schon jetzt unverwechselbares Erkennungszeichen des Programms ist der von André Heller gestaltete FUSSBALL GLOBUS. Dieser begehbare Globus, der das Bild der Weltkugel mit der Form eines Fußballs verbindet, tourt seit Herbst 2003 durch die deutschen Städte, in denen Spiele der WM ausgetragen werden. Fast eine halbe Million Besucher haben sich inzwischen diesen Globus von innen angesehen. Das ist ein gigantischer Erfolg.
Die mehr als 30 Projekte des Kunst- und Kulturprogramms sollen national und international die kulturelle Vielfalt und Weltoffenheit Deutschlands präsentieren. Zudem wird sich die Bundesrepublik mit einem Fußball-Fest zum Auftakt der WM am 08. Juni 2006 in Berlin präsentieren. Dabei hat André Heller die künstlerische und die FIFA die organisatorische Federführung. Das Fußball-Fest soll gewissermaßen der Schlussakkord für unser Kunst- und Kulturprogramm sein. Solch einen Auftakt hat es bisher noch bei keiner vorigen WM gegeben. Es hat sich gelohnt, dass die Bundesregierung an diesem Vorhaben stets festgehalten und es vorangebracht hat. Das Konzept hat die FIFA so überzeugt, dass sie es nun in Eigenregie durchführen wird. Sie sehen, die konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Fußballverantwortlichen und dem Gastgeberland beschränkt sich nicht nur auf die Organisation eines reibungslosen Fußball-Turniers, sondern geht weit darüber hinaus. Dieses Fest wird ganz sicher ein spektakuläres Ereignis, das lange im Gedächtnis bleibt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
zum Gastgeberkonzept gehört auch eine gemeinsame Kampagne für mehr Service und Freundlichkeit. Sie wird vom Organisationskomitee, den Verkehrsflughäfen, dem Automobilclub ADAC und allen wichtigen Verbänden der Tourismusbranche organisiert. Man kennt Deutschland als guten und nüchternen Organisator. Wir wollen zeigen, dass wir auch exzellente Dienstleister sind.
Mundwinkel nach oben, auch Deutsche können heiter sein, selbst wenn wir dafür im Ausland bislang nicht berühmt sind. Zielgruppe dieser Service-Kampagne sind alle, die mit den Gästen der WM 2006 zu tun haben werden - vom Taxifahrer über den Imbissbudenbesitzer bis zum Hotelier.
Deutschland soll überzeugen- die Menschen durch Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit und der Wirtschaftsstandort durch seine Stärken. Deswegen planen wir gutes Standort-Marketing. Die WM 2006 bringt viel wirtschaftliche Dynamik nach Deutschland und das wollen wir natürlich so gut wie möglich nutzen.
Unser Bruttoinlandsprodukt wird allein durch die WM von 2003 bis 2010 um fast 8 Milliarden Euro steigen. Die Tourismusbranche rechnet mit rund fünf Millionen zusätzlichen Übernachtungen und einem Umsatzplus von rund drei Milliarden Euro. Insgesamt dürfte - so eine Studie der Postbank - die Weltmeisterschaft der deutschen Wirtschaft einen zusätzlichen Schub von rund einem halben Prozentpunkt des Bruttoinlandsproduktes bringen.
Deutschland wird sich 2006 als starker, moderner und innovativer Wirtschaftsstandort unter dem Titel "Deutschland - Land der Ideen" vorstellen. Zusätzlich führt die bundeseigene Gesellschaft Invest in Germany weltweit Investorenwerbung für den Standort Deutschland am Rande von Sportveranstaltungen durch. Zum Beispiel haben wir das Fußball-Länderspiel Deutschland-Brasilien am 8. September 2004 in Berlin oder die Asienreise der deutschen Nationalmannschaft im Dezember des letzten Jahres genutzt, um potentielle Investoren von der Leistungskraft und den Vorzügen des Standorts Deutschland zu überzeugen.
Darüber hinaus wirken die verschiedenen Ressorts der Bundesregierung in ihrer Zuständigkeit am Gelingen der WM mit. Dazu gehört das Gesundheitswesen, das Protokoll, auch Sonderaktionen (z.B. Münzen und Briefmarken), Tourismus, Verbraucherschutz, logistische Unterstützung und sehr wichtig: der Umweltschutz. Er ist ein Markenzeichen Deutschlands und spielt deswegen in den Planungen der WM eine große Rolle.
Zum Beispiel unterstützt die Bundesregierung das Organisationskomitee in der Umsetzung von "Green Goal". Wir haben ein ehrgeiziges Ziel: Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird die erste klimaneutrale WM der Welt sein.
Das Konzept sieht vor, den Wasser- und Energieverbrauch durch ganz gezielte Maßnahmen in den Stadien wie Nutzung von Regen- und Oberflächenwasser oder Einsatz Wasser sparender Technik, Solar- und Photovoltaikanlagen um 20 Prozent zu senken.
Damit diese Großsportveranstaltung keine bleibenden Schäden in der Atmosphäre hinterlässt, sollen die Kohlendioxid- Emissionen von 100.000 Tonnen durch Klima-Projekte in Südafrika und Südostasien eingespart werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
unser Gastgeberkonzept ist die Kür in der Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft 2006. Unser Pflichtprogramm ist die Erfüllung der Regierungsgarantien, die wir bei der Bewerbung um die Weltmeisterschaft gegenüber der FIFA abgegeben haben. In keinem Land wäre heute ohne solche staatliche Unterstützung die Durchführung einer Großveranstaltung wie der WM möglich.
Wir werden eine freudvolle, aber vor allem auch friedvolle WM in Deutschland erleben. Für Gewalttäter ist in deutschen Stadien und in deutschen Städten kein Platz! Wir werden - in enger internationaler Zusammenarbeit - hart gegen Störer und Gewalttäter vorgehen. Ausschreitungen, wie wir sie national und international in den vergangenen Wochen leider wieder erlebt haben, müssen und werden wir verhindern.
Bei den Regierungsgarantien, die wir gegeben haben, ist ein ebenso wichtiges Thema die Verkehrsinfrastruktur und die Verkehrslenkung. Die vorhandenen Verkehrsinfrastrukturen, d.h. Straßen, Schienenwege, Flughäfen und die Einrichtungen des öffentlichen Personenverkehrs, sind einem internationalen Großereignis wie der Fußball-WM 2006 ohne Probleme gewachsen. Deutschland ist bekannt für seine hervorragende Infrastruktur.
Damit das so bleibt, haben Bund, Länder und Städte seit wir als Gastgeber der Fußball-WM ausgewählt worden sind, große Investitionen vorgenommen, um die Verkehrsinfrastruktur
für dieses Ereignis noch weiter zu verbessern. Allein in Ausbau- und Erweiterungsmaßnahmen im Bundesfernstraßennetz hat die Bundesregierung etwa 3,7 Mrd. Euro investiert. Wir rechnen mit einer störungsfreien Verkehrsabwicklung während der WM 2006. Zusätzlich werden weitere Ausbau- und Erweiterungsmaßnahmen bis 2006 fertig gestellt, um die Zufahrten zu den WM-Städten und zu den WM-Stadien zu erleichtern.
Grundsatz bei allen Verkehrs- und Infrastrukturprojekten ist die Nachhaltigkeit. Das gilt auch für andere Investitionen. Der Bund hat den Umbau der Stadien in Leipzig und Berlin mit über 246 Mio. Euro unterstützt. Im modernen Berliner Olympiastadion wird nicht nur das Endspiel der Fußball WM 2006 stattfinden. In 2009 findet dort mit der Leichtathletik-WM bereits das nächste Highlight statt.
Die Bundesregierung liegt mit all ihren Arbeiten voll im Plan. Viele der Garantien werden bereits zum Confederations Cup im Juni dieses Jahres umgesetzt sein. Wir zielen also im Pflichtprogramm als auch bei der Kür auf eine Höchstpunktzahl und werden so den Ehrgeiz und die Bedeutung des Sportstandortes Deutschland für Großereignisse auch in fernerer Zukunft einmal mehr unter Beweis stellen.
Ich hoffe sehr, viele von Ihnen im kommenden Jahr wieder in Deutschland begrüßen zu können und wünsche Ihnen für Ihren jetzigen Aufenthalt zur Jahrestagung einen ergebnisreichen Austausch.
