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Interviews
Interviews

Fanprojekte: Erfahrung statt Belehrung

Mittwoch, 7. Juni 2006

Rolf-Arnd Marewski ist Fan-Beauftragter in Dortmund. In einem Gespräch mit Wolfgang Golz äußert sich Marewski zu seiner Arbeit mit Fußballfans und der Vorfreude auf die Fußball-WM.

Wolfgang Golz: Herr Marewski – wie viele Helfer haben Sie bei Ihrem Fan-Projekt in Dortmund?
 
Rolf-Arnd Marewski, Fan-Beauftragter in Dortmund: Vor Ort sind wir zwei hauptamtliche Sozialarbeiter. Dank Landesmitteln konnten wir noch zwei Frauen für halbe Tage einstellen und einen jungen Mann für die Buchhaltung. Eine Dame betreut die Regionalliga-Fans und die Aktion „Mädchen stärken“, die andere arbeitet für unsere Straßentour und WM-Streettour.
 
Ist es schwer, an Mittel zu kommen, oder erhalten Sie großzügige Hilfe?
 
Mit neuen Projekten rennen wir offene Türen ein. Wir sind auch kreativ genug, Lücken zu finden, die öffentliche Jugendarbeit zu unterstützen.
 
Wo rekrutieren Sie Ihre ehrenamtlichen Helfer?
 
Ich hatte zehn Jahre lang einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Soziale Arbeit in Dortmund. Dort habe ich mit Studenten viele Projekte organisiert. Und obwohl ich dort nicht mehr lehre, kommen die Studenten immer noch zu mir, um zu helfen. Außerdem machen wir eine gute Öffentlichkeitsarbeit, und wir haben eine sehr gute Lobby bei der Stadt, dem Land und jetzt auch im Bund.
 
Das sich darin äußert, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Vertreter der Fan-Projekte in Deutschland zu einem Erfahrungsaustausch nach Berlin gebeten hat.
 
Ja, und das ist ein wunderschönes Gefühl der Anerkennung, das wir nicht häufig erfahren und schon gar nicht wie jetzt von höchster Stelle. Heute ist zwar Franz Beckenbauer in Dortmund, und ich hatte eine Einladung für den Empfang. Aber da gab es nie eine Frage, dass ich nicht nach Berlin fahre. Die Kanzlerin hat uns auch nach Rückschlägen gefragt. Klar, die haben wir. Denn es gibt keine heile Welt und wir sind keine Weltverbesserer. 
 
Ein Grundsatz Ihrer Arbeit lautet: Erfahrung statt Belehrung.
 
Die Fans müssen sehen, dass wer mit ihnen spricht, auch kompetent ist. Wir helfen ihnen Erfahrung zu machen, wir erziehen zu Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Wir begleiten sie bei Fußballspielen in Situationen, die kritisch werden könnten. Das ist sozusagen ein Training, damit sie später selbst und alleine damit umgehen können.
 
Haben Sie Sorgen vor dem Spiel Deutschland gegen Polen?
 
Überhaupt nicht. Ich habe Respekt vor jedem anderen Menschen. Und natürlich auch gegenüber denen aus dem Land meiner Vorfahren. Wer die Stimmung bei uns kennt, im Zusammenspiel mit den vorbereiteten Maßnahmen, der wird sich auf ein schönes Spiel freuen.
 
Der Umgang mit den deutschen Fans ist Alltag für Sie. Wie haben Sie sich denn auf die Fußballfreunde aus aller Welt vorbereitet?
 
Darauf mussten wir uns nicht vorbereiten. Denn der Wahlspruch „Die Welt zu Gast bei Freunden“ ist unser Motto, seit ich 1987 diese Arbeit aufgenommen habe.
 
Und wie sind Sie damals an Ihren Job gekommen?
 
Durch eine ABM-Maßnahme. Wie Helmut Schulte, der sich auf diesem Weg bis zum Cheftrainer in der Bundesliga u.a. beim FC St. Pauli hocharbeitete.

Anhängerin der kamerunischen Nationalmannschaft, darunter zahlreiche Deutschlandfahnen und -fans