Foto: ddpWeltmeisterlich: Nationalspielerin Birgit Prinz
Golz fragt ... Birgit Prinz
Dienstag, 28. März 2006
Der bekannte Sport-Journalist Wolfgang Golz fragt an dieser Stelle regelmäßig prominente Fußballspieler, Trainer, Fans und Experten nach ihren Erwartungen an die WM 2006 in Deutschland. Diesmal spricht er mit Nationalspielerin Birgit Prinz über die Stärken des Frauenfußballs und die Chancen ihrer männlichen Kollegen auf den Titelgewinn.
Frau Prinz, die Startfrage aller Interviews dieser Serie muss ich auch Ihnen stellen: Warum wird Deutschland Weltmeister?
Birgit Prinz: Wer sagt denn, dass sie es werden?
Warum nicht?
Nun, jede Mannschaft, die dabei ist, hat eine Chance. Auch die deutsche. Wenn sie gut startet, mit dem Publikum im Rücken, entwickelt sich manchmal eine Stärke, die man angesichts der Einzelspieler nicht vermuten würde.
Was hat bei Ihnen den Anstoß gegeben, Fußballerin zu werden?
Ich habe immer schon relativ viel Sport getrieben. Mein Vater war ein guter Fußballer und zeitweilig auch mein Trainer. Aber ich bin geschwommen, Trampolin gesprungen und war Leichtathletin. Irgendwann waren es zu viele Sachen parallel mit gleichzeitigen Wettkämpfen, da musste ich mich entscheiden.
Haben Sie diese Spezialisierung einmal bereut?
Wenn ich die Leichtathleten so trainieren sehe, da ist es bei uns schon abwechslungsreicher. Und ich eigne mich wohl mehr zur Spielsportlerin.
Sie waren bereits dreimal Weltfußballerin. Ein Mann, der das erreicht hätte, würde im Geld schwimmen.
Also, ich wollte von meinem jetzigen Standpunkt aus nicht tauschen. Sicher hätte ich gerne ein paar Millionen auf dem Konto, aber das Geld allein ist es nicht. So habe ich mehr Privatleben, was ich sehr schätze. Gott sei Dank ist es mit dem Prominentsein nicht ganz so schlimm.
Spätestens seit dem Gewinn des Weltmeistertitels 2003 genießt der Frauen-Fußball hierzulande jedoch ein hohes Ansehen.
Das haben wir uns auch verdient. Wir spielen größtenteils erfolgreichen und schönen Fußball. Viele haben uns spielen gesehen und mussten ihre Meinung revidieren. Es ist nur fair, dass wir diese Anerkennung bekommen.
Michael Ballack, Ihr Kapitänskollege bei den Männern, schätzt den Frauen-Fußball und bedauert, dass Sie es bei der Suche von Sponsoren immer noch viel schwerer haben.
Wenn wir uns mit den Männern vergleichen, was wir nicht wollen, dann ist das im Finanziellen sicher nicht fair. Doch wenn ich andere Sportarten sehe und welche Leistungen die bringen, geht es uns doch ganz gut.
Haben es Ihre Kollegen in der deutschen Männernationalmannschaft derzeit nicht sogar schwerer?
Obwohl das ja keine neue Entwicklung ist, aber durch die WM im eigenen Land verstärkt sich vieles. Doch Spieler und Trainer kennen das im Prinzip. Wenn man prominent ist und so gut verdient, gibt es nicht nur gute Seiten. Man muss auch die negativen Facetten ertragen. Aber sie werden schon hart arbeiten, es zu schaffen.
Könnten Sie sich vorstellen, den Job von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer zu machen?
In diese Verlegenheit werde ich nicht kommen. So lange ich Fußball spiele, wird das keine Frau machen. Es ist auch nicht reizvoll. Es würde nur auf mich geguckt, weil ich eine Frau bin. Nicht auf das Training, sondern nur auf mein Geschlecht. Das wollte ich mir nicht antun.
Sie betonen immer, die Mannschaft sei alles. Warum wehren Sie sich so vehement gegen die Rolle des Top-Stars, der Sie sind?
Es ist doch eine Tatsache, dass elf Leute auf dem Platz stehen. Es kann auch gelingen, wenn der Superstar mal nicht funktioniert. Aber der Superstar ist ohne das Kollektiv gar nichts. Und den Star-Kult, den es um einige gibt, finde ich auch daneben.
Schadet das viele Geld im Profifußball der Spielfreude in Ihrem Sport?
Nein, das glaube ich nicht. Grundsätzlich würde es gut tun, wenn mehr Geld in unserer Liga besser verteilt wäre, dann wäre die Liga ausgeglichener. Für mich persönlich wäre es natürlich nicht schlecht. Aber ich werde es wohl nie erleben, des Geldes wegen ein schlechtes Gewissen zu kriegen.
Haben Sie schon WM-Tickets?
Ja. Ich habe zwei vom DFB bekommen. Wir WM-Spielerinnen durften uns Tickets für zwei Spiele aussuchen. Das ist doch auch fair, oder?
Und was werden Sie sich ansehen?
Zum Beispiel hier in Frankfurt das Top-Spiel Holland gegen Argentinien.
Und was erwarten Sie - unabhängig vom Sportlichen - von der WM?
Ich erhoffe und wünsche mir eine schöne, bunte WM, gute Spiele und gute Stimmung. Friedlich und einfach schön. Das wäre sehr wichtig für Deutschland.
Birgit Prinz wurde am 25. Oktober 1977 geboren. Sie ist die erfolgreichste Fußballerin der Welt. Dreimal wurde sie bereits zur Weltfußballerin des Jahres gewählt (2003 bis 2005). Die Top-Stürmerin ist Weltmeisterin und Torschützenkönigin des WM-Turniers 2003. Bereits mit 16 Jahren debütierte sie in der Nationalelf, mit 17 war sie schon Vize-Weltmeisterin. Sie gewann viermal die Europameisterschaft und holte zweimal Olympia-Bronze. Mit ihrem Klub, dem 1. FFC Frankfurt, gewann sie 2002 den UEFA-Cup, holte siebenmal den deutschen Pokal (1995, 1996 mit dem FSV Frankfurt, 1999-2003 mit dem 1. FFC Frankfurt) und wurde siebenmal Deutscher Meister (1995, 1998 mit dem FSV Frankfurt, 1999, 2001, 2002, 2003, 2005 mit dem 1. FFC Frankfurt). Sie bestritt 148 Länderspiele und schoss dabei 92 Tore.
Sport-Journalist Wolfgang Golz im Portrait