Wolfgang SchmidtFußball in Costa Rica: Trainieren mit den Profis
Angela Merkel im Interview - Jede Fußballmannschaft wird freundlich begrüßt
Sonntag, 4. Juni 2006
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Johannes Kerner und Reinhold Beckmann in der BILD am SONNTAG über die Fußball-Weltmeisterschaft geplaudert. Es ging um die deutsche Mannschaft, die Kanzlerin als Spielführerin des Kabinetts, die Stimmung in diesem Land. "Wir haben leider einzelne ausländerfeindliche Übergriffe, die absolut zu kritisieren sind und gegen die wir mit aller Konsequenz vorgehen. Aber die überwiegende Mehrheit in unserem Land ist ausländerfreundlich", sagte die Kanzlerin.
Angela Merkel: Meine Herren, wer ist Shaka Hislop?
Kerner: Das weiß Reinhold.
Beckmann: Ich geb's zurück an Johannes.
Kerner: Nicht schlecht, Frau Bundeskanzlerin. Können Sie die Frage nochmals wiederholen?
Merkel: Wer Shaka Hislop ist.
Beckmann: Ich glaube, es ist Panini-Bild Nummer 436.
Merkel: Können Sie das vielleicht noch ein bißchen zuordnen?
Beckmann: Also gut. Sagen wir, es ist ein Mittelfeldspieler von Saudi-Arabien.
Kerner: Aber das wird nicht stimmen.
Merkel: Sie haben noch einen Schuß frei.
Kerner: Nun sagen Sie schon: Wer ist es denn?
Merkel: Der Torwart von Trinidad und Tobago.
Kerner: So schlecht war das nicht geraten.
Merkel: Nun ja, das Mittelfeld ist schon ein Stück vom Tor entfernt. Aber im Ernst: Wie viele der WM-Spieler kennen Sie denn namentlich?
Kerner: Ich kann Ihnen einen Trick verraten: Da steht hinten immer der Name auf dem Rücken. Das macht die Sache deutlich einfacher.
Merkel: Wie intensiv bereiten Sie sich auf die Spiele vor, die Sie für das Fernsehen kommentieren?
Beckmann: Kommentieren verlangt eine intensive Vorbereitung. Nehmen wir mal eine Mannschaft wie die Elfenbeinküste. Da kenne ich die Spieler natürlich nicht alle detailliert. Ich weiß, zwei sind dabei, die bei Arsenal London super spielen und ein paar andere, die in der französischen Liga ihr Geld verdienen. Aber ich gestehe, ich hab sie in den letzten Jahren nicht jeden Samstag beobachtet. Doch das ist ja das Schöne an einer Weltmeisterschaft: als Kommentator kannst in etwas ganz Neues eintauchen und dir Mannschaften neu erobern. Und schon deshalb ist die Vorbereitung für mich als Fußballjournalist ein Riesenspaß.
Merkel: Schauen Sie eigentlich aufs Spielfeld, oder haben Sie auf der Tribüne einen Monitor?
Beckmann: Beides. Eigentlich gucke ich aufs Feld, und wenn die Zeitlupe kommt, schaue ich kurz nach unten auf den Monitor.
Merkel: Dann sehen Sie das Spiel wie durch eine Doppelbrille?
Beckmann: So ungefähr. Wenn ich nur aufs Feld schaue, kann es passieren, daß ich an dem vorbeirede, was der Fernsehzuschauer gerade sieht. Und dann paßt dann noch mein Assistent auf mich auf.
Merkel: Kann man sich den aussuchen?
Beckmann: Ja klar, anders als in der großen Koalition. Es muß eine Person des Vertrauens sein. Ein Fußballverrückter, mit dem ich mich blind verstehe.
Merkel: Auf welches WM-Spiel freuen Sie sich am meisten?
Kerner: Bei mir ist es Deutschland gegen Ecuador, weil dann feststeht, daß die deutsche Mannschaft ins Achtelfinale eingezogen ist.
Beckmann: Das übertragt Ihr doch gar nicht. Aber Du kannst Dir nen schönen Abend in der ARD machen.
Kerner: Ich freue mich, weil ich dann ins Stadion gehen kann. Als Moderator bin ich sonst leidenschaftlich gefesselt an die ZDF-Arena am Potsdamer Platz.
Merkel: Sie freuen sich also auf das, wo Sie nichts zu tun haben?
Kerner: Ich bin immer im Dienst, Frau Bundeskanzlerin.
Merkel: Und Sie, Herr Beckmann?
Beckmann: Ich freue mich auf das erste Spiel, das ich in der ARD kommentiere: Argentinien gegen Elfenbeinküste. Das ist bei mir in Hamburg zu Hause vor der Tür. Ich kann mit dem Fahrrad ins Stadion fahren. Und ich glaube, daß da möglicherweise schon die erste Überraschung passieren könnte. Die Elfenbeinküste ist für mich Geheimfavorit.
Kerner: Aber jetzt lassen Sie doch uns mal fragen, Frau Merkel: Sind Sie froh, daß Sie die WM als Kanzlerin verfolgen können - und nicht mitten im Bundestagswahlkampf stecken? Wäre die Wahl wie geplant erst diesen Oktober gewesen, hätte Schröder als Fußball-Kanzler mächtig punkten können ...
Merkel: Ich denke, man sollte Politik und Fußball nicht zu sehr vermengen. Und genau das hätte sich in einer Wahlkampfatmosphäre nicht vermeiden lassen. Mir ist sehr recht, daß jetzt kein Wahlkampf ist.
Kerner: Sie sind jetzt häufiger im Stadion gewesen. Gucken Sie sich wirklich das Fußballspiel an, oder nutzen Sie die 90 Minuten auch einfach ...
Merkel: ... um abzuschalten.
Kerner: Sie schalten wirklich ab?
Merkel: Nein, das war jetzt ein Scherz. So ein Fußballspiel ist doch eine schöne Sache.
Beckmann: Johannes, was für eine Frage! Wir haben es bei unserer Kanzlerin hier mit einem leidenschaftlichen Fan der Frauenmannschaft von Turbine Potsdam zu tun.
Kerner: Warum soll die Frage abwegig sein? Es gibt selbst Fußballer, die schlafen auf der Trainerbank.
Beckmann: Und es soll sogar Moderatoren geben, die nicken bei der eigenen Sendung ein...
Kerner: Hast du Erfahrung damit, Reinhold?
Beckmann: Montags bin ich immer noch ausgeschlafen...
Merkel: Ich jedenfalls gehe ins Stadion, weil ich Lust habe, die Spiele zu sehen.
Kerner: Haben Sie Ihren Mann auch schon anstecken können mit dem Fußball-Virus?
Merkel: Ich bin tendenziell fußballbegeisterter als mein Mann.
Kerner: Sie könnten ihm ja einen Deutschland-Schal schenken. Vielleicht hilft das.
Merkel: Das glaube ich nicht. Er guckt auch mal, aber er ist nicht so begeistert, und er wird auch eher selten ins Stadion mitkommen. Er sagt, die Karten sind so knapp, und da möchte er nicht aus rein protokollarischen Gründen mitkommen.
Kerner: Wir haben hier ein Foto aus der "Süddeutschen Zeitung", das bei der Siegerehrung für den FC Bayern nach dem Endspiel im DFB-Pokal aufgenommen wurde. Da himmeln Sie Olli Kahn regelrecht an. Was hat er Ihnen zugeflüstert?
Merkel: Ich kann mich an nichts erinnern.
Kerner: So wie Sie Olli Kahn auf diesem Bild anschauen, würde meine Tochter Ronaldinho anschauen...
Merkel: (lacht) Sie haben mich mit Ronaldinho noch nicht gesehen! Aber sagen Sie doch lieber mal, wen Sie als Geheimfavoriten sehen.
Kerner: Natürlich hoffe ich auf Deutschland. Aber ich sage auch immer wieder Kroatien. Dafür werde ich ausgelacht...
Merkel: Ich schaue mir Kroatien gegen Brasilien im Berliner Olympiastadion an. Da kommt der kroatische Regierungschef nach Deutschland. Wann der brasilianische Staatspräsident kommt, weiß ich noch nicht.
Beckmann: Wahrscheinlich erst im Finale. Früher zu kommen, könnten die Brasilianer ihrem Präsidenten übel nehmen. Das wäre Ausdruck mangelnden Selbstbewußtseins.
Merkel: Über England wird recht wenig geschrieben. Wie schätzen Sie die denn ein?
Beckmann: Ich glaube, es wird wie immer sein: England scheidet im Achtel- oder im Viertelfinale aus - natürlich durch Elfmeterschießen. Und Beckham wird den Ball weit übers Tor schießen. Haben Sie übrigens mit Tony Blair schon über die Chancen der Engländer gesprochen?
Merkel: Nein, aber ich habe ihn zur WM eingeladen. Wenn er kommt, werden wir sicher eine Gelegenheit finden.
Beckmann: Wie viele Staatschefs haben sich eigentlich bei Ihnen angekündigt?
Merkel: Das ist im Augenblick schwer zu überblicken. Zum Endspiel kommt auf jeden Fall der südafrikanische Staatspräsident Mbeki, weil die nächste WM in Südafrika stattfindet. UN-Generalsekretär Annan wird da sein ...
Kerner: ... und wenn der iranische Staatschef nach Deutschland kommt, der den Holocaust leugnet und die Welt mit seinem Atomprogramm bedroht: Würden Sie Ahmadinedschad empfangen?
Merkel: Ich gehe davon aus, daß er nicht kommt.
Kerner: Scheut er die Debatten, die sein Besuch auslösen würde?
Merkel: Das ist nicht mein Thema. Wichtig ist jetzt, daß wir jede Fußballmannschaft freundlich begrüßen - auch die iranische.
Beckmann: Es sind viele afrikanische Teams hier. Wir haben in den letzten Wochen und Tagen immer wieder von rechtsradikalen Übergriffen gehört. Der frühere Regierungssprecher Heye hat Farbige vor Reisen nach Ostdeutschland gewarnt. Wäre es nicht ein Zeichen, wenn Sie als Kanzlerin ein afrikanisches Team im Trainingscamp besuchen würden?
Merkel: Ich glaube, da sollte man vorsichtig sein. Die wollen im Trainingslager auch ihre Ruhe haben.
Beckmann: Frau Merkel, ich bin mir sicher: Die würden sich wahnsinnig über Ihren Besuch freuen.
Merkel: Das kann durchaus sein, aber ein solcher Besuch dürfte als Signal auch nicht mißverstanden werden. Wir haben leider einzelne ausländerfeindliche Übergriffe, die absolut zu kritisieren sind und gegen die wir mit aller Konsequenz vorgehen. Aber die überwiegende Mehrheit in unserem Land ist ausländerfreundlich.
Kerner: Sie sehen das Problem aber schon?
Merkel: Ja, sicher. Es gab diese Übergriffe und wir müssen äußerst wachsam bleiben. Fremdenfeindlichkeit kann man aber nicht als typisch für Deutschland bezeichnen.
Kerner: Vergleichen wir die Weltmeisterschaften, bei denen Deutschland den Titel geholt hat: 1954 steht für die Rückkehr Deutschlands auf die internationale Landkarte, 1990 für die deutsche Einheit. Wofür könnte ein WM-Sieg jetzt stehen - außer für die Mehrwertsteuererhöhung?
Merkel: Ich scheue mich, Erfolge im Fußball mit politischen Epochen in Verbindung zu bringen. Die Mauer war ja schon 1989 gefallen, und deshalb hätte es die Deutsche Einheit auch ohne die Tatsache gegeben, daß wir Fußball-Weltmeister geworden sind.
Kerner: Haben Sie sich totgelacht, als Jürgen Sparwasser 1974 das Tor zum 1:0-Sieg der DDR über die Bundesrepublik schoß?
Merkel: Nein.
Beckmann: Ihr eigenes Team geht in Führung und gewinnt - und Ihnen war es unrecht?
Kerner: Das müssen Sie uns erklären.
Merkel: Ich spürte sofort, daß alle unsere Lehrer den Sieg nutzen werden, um zu zeigen, wie gut die DDR doch ist, und das hat mir wie vielen anderen natürlich überhaupt nicht gefallen. Das wurde politisch total instrumentalisiert. Ich habe mich später gefreut, daß die Bundesrepublik am Ende Weltmeister wurde.
Kerner: Das heißt, Sie haben der Bundesrepublik die Daumen gedrückt auch sonst bei Turnieren?
Merkel: Im Grunde schon, ja. Wobei ich mich in Sportarten wie der Leichtathletik, in denen die DDR erkennbar gut war, auch für Sportlerinnen und Sportler aus der DDR begeistern konnte. Geärgert hat mich früher, wenn Verwandte und Bekannte aus dem Westen kamen und sagten: Die Deutschen haben gewonnen - und sie allein die Westdeutschen meinten. Da dachte ich mir: Ich bin auch deutsch.
Beckmann: Glauben Sie, daß der Fußball zu sehr aufgeladen wird in seiner politischen Bedeutung?
Merkel: Ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der WM kann sicher über den Fußball hinaus für positive Stimmung in unserem Land sorgen. Aber so eine Stimmung verebbt auch wieder. Die Bürger lassen sich nicht einfach einlullen und vergessen ihre Sorgen. Glücklicherweise haben wir Deutschen nicht nur den Fußball, sondern ein breites Fundament, aus dem wir Stolz auf unser Land ableiten können. Ganz toll finde ich übrigens, daß unsere Fans eine heitere, gelassene Freude am eigenen Land entwickeln. Da werden Fahnen geschwenkt ohne das Gefühl, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Vor 15 Jahren war das noch anders. Der Umgang mit dem eigenen Land nimmt eine schöne Normalität ohne Protzigkeit an. Das gefällt mir.
Kerner: Wenn Sie eine Kabinettsitzung leiten - wünschen Sie sich manchmal, Schiedsrichter zu sein? Dann könnten Sie die Trillerpfeife einsetzen, gelbe und rote Karten zeigen ...
Merkel: Der Gedanke ist mir ehrlich gesagt noch nie gekommen. Schiedsrichter ist ja nicht meine Aufgabe. Als Kanzlerin bin ich - wenn ich beim Fußballvergleich bleibe - eher Kapitän einer Mannschaft, die Spielführerin.
Kerner: Sie sind Ballack?
Merkel: (lacht) Wenn man es so nimmt, bin ich Ballack.
Kerner: Wer gefällt Ihnen von den Nationalspielern?
Merkel: Wenn ich jetzt anfange, drei herauszugreifen ...
Kerner: ... dann haben wir unseren Spaß.
Merkel: Also eigentlich gefallen Sie mir alle.
Kerner: Optisch oder fußballerisch?
Merkel: Ich habe große Hochachtung vor ihrer Leistung. Diese Spieler müssen schon in ganz jungen Jahren viel öffentlichen Druck aushalten. Sie haben nur eine schmale Lebensspanne, in der sie das, was sie am besten können, voll ausleben können. Mit 35 ist meist schon alles vorbei. Und eine einzige Verletzung kann sie aus der Bahn werfen.
Beckmann: Welche Spiele werden Sie nun im Stadion anschauen - außer Brasilien gegen Kroatien?
Merkel: Die drei Vorrundenspiele unserer Mannschaft natürlich. Und dann habe ich meine Termine so gelegt, daß ich alle Spiele der Deutschen sehen könnte - bis ins Finale.
Beckmann: Haben Sie sich speziell auf die WM vorbereitet - mit Regelkunde etwa?
Merkel: Nein.
Beckmann: Wie viel Auszeit gestehen Sie Ihren Mitarbeitern im Kanzleramt zu die Spiele im TV verfolgen?
Merkel: Schauen Sie mal aus dem Fenster: Hier läuft der ganz große Fernseher um die Ecke. Zwischen Reichstag und Kanzleramt ist ja diese Arena mit Video-Leinwand aufgebaut worden. Ich glaube, wir werden nicht mehr arbeiten können, wenn ab 17 Uhr hier 10 000 Leute sind.
Kerner: Sie finden die Idee gar nicht so gut?
Merkel: Ich habe, offen gesagt, ein gespaltenes Verhältnis dazu. Es ist sicher schön geworden. Aber ich weiß nicht, ob man das Stadion ausgerechnet vor dem Reichstag aufstellen mußte. Nun ist es so wie es ist.
Beckmann: Wir wollen noch etwas hineinschauen ins Kabinett ...
Merkel: ... ins Kabinett? Nein! Ich will von Ihnen erstmal wissen, ob Sie bei der Nominierung der deutschen Mannschaft etwas überrascht hat.
Kerner: Was Klinsmann im Sturm gemacht hat, kann ich nachvollziehen. Odonkors Nachnominierung hat mich eher positiv überrascht. In der Abwehr hätte ich möglicherweise einen weiteren Manndecker dazu genommen, etwa Manuel Friedrich von Mainz 05. Gewundert hat mich etwas, daß Jens Nowottny nominiert wurde. Der ist bereits in dem kritischen Alter, von dem Sie gerade gesprochen haben.
Merkel: Und Kuranyis Nicht-Nominierung?
Kerner: Eigentlich nicht überraschend, das hat sich abgezeichnet. Schon bei der letzten Länderspiel-Nominierung war er nicht dabei und hat in letzter Zeit auch nicht gerade herausragend gespielt.
Beckmann: Dafür den in den ersten beiden Spielen gesperrten Mike Hanke mitzunehmen, ist schon ganz schön kühn. Typisch Klinsmann halt!
Merkel: Also: Wie wird's denn nun mit unserer Mannschaft?
Kerner: Gut wird's. Ob's lang wird, weiß ich nicht.
Merkel: Glauben Sie, daß es gut werden kann, wenn's nicht lang wird?
Kerner: Wenn wir im Achtelfinale nach großartigem Spiel gegen England ausscheiden, kann das schon gut sein.
Beckmann: Da würde uns Franz Beckenbauer sofort widersprechen. Dabei sein ist für ihn längst nicht alles. Der sagt: Wir müssen ins Finale kommen, wir müssen Weltmeister werden.
Merkel: Ist Beckenbauer für Sie so eine Art Übervater?
Kerner: Er versteht vergleichsweise viel von dem Sport.
Merkel: Trifft es Sie, wenn Beckenbauer sagt, Kerner hat dummes Zeug gequatscht?
Kerner: Nein, überhaupt nicht. Das würde mich nicht treffen.
Merkel: Aber Herrn Beckmann würde es treffen.
Beckmann: Naja, des Kaisers Wort hat schon Gewicht, auch wenn man nicht jedes von ihm auf die Goldwaage legen sollte.
Kerner: In der ARD gibt es eine andere Kultur. Die reden sogar auf dem Sender schlecht übereinander. Das passiert beim ZDF nur hinter den Kulissen.
Beckmann: Das ist ein liebgewonnenes Phänomen des Föderalismus, das kennen Sie ja, Frau Merkel, wenn die einzelnen Länderfürsten viel Spaß daran haben, sich gegenseitig immer mal ein Bein zu stellen...
Kerner: Im Fußball gibt es den Begriff des taktischen Fouls: Man säbelt jemanden weg, um der Sache etwas Gutes zu tun. Haben Sie in der Politik schon taktisch gefoult?
Merkel: Was heißt: Der Sache etwas Gutes tun?
Beckmann: Also: Michael Ballack hat im WM-Halbfinale 2002 einen Südkoreaner gefoult. Er wußte, dafür kriegt er die Gelbe Karte und fehlt im Finale. Aber das mußte einfach sein, weil sonst der Südkoreaner allein durch gewesen wäre. Das ist ein taktisches Foul.
Merkel: (lacht) Nun gut, das ist ja Notwehr.
Kerner: Dann frage ich Sie mal ganz direkt: Haben Sie schon einmal aus Notwehr gefoult?
Merkel: Daß man etwas sehr Unangenehmes verhindern will durch etwas halb Unangenehmes, das kommt schon vor. Aber das sind dann eher Spielzüge wie beim Schach - und keine Fouls.
Beckmann: Sehr sportlich, Frau Bundeskanzlerin!
Kerner: Können wir das so stehen lassen? Keine Fouls in der Politik? Vielleicht sollten wir uns um die Übertragungsrechte von CDU-Präsidiumssitzungen bemühen ...
Merkel: Das würde Ihnen gefallen!